Dr. Dirk Wissen

Fachbereichsleitung Bibliotheken, Berlin-Reinickendorf

Dr. Dirk Wissen studierte in Berlin, Hamburg und Wien Bibliothekswissenschaften. Seine beruflichen Stationen führten ihn nach Würzburg, Frankfurt (Oder) und Berlin-Reinickendorf, wo er 2018 mit seinem Bibliotheksteam einen Makerspace-Wettbewerb gewann. Als Herausgeber der Bibliotheksfachzeitschrift „BuB – Forum Bibliothek und Information“, führte Dirk Wissen im vergangenen Jahr ein lebhaftes Interview mit einem Roboter.

11:35 Uhr – Die Bibliothek als >Vierter Ort<
Robotik in öffentlichen Bibliotheken zwischen Attraktion & Diskussion

Die Bibliothek als >Vierter Ort< Durch Automatisierung und Digitalisierung haben sich Öffentliche Bibliotheken in den letzten 30 Jahren stark gewandelt. Technische und auch gesellschaftliche Veränderungen trugen dazu bei, dass sich der Anspruch gegenüber der Nutzung von Bibliotheken erheblich verändert hat. Unsere mobile Informationsgesellschaft nutzt heute Stadtbibliotheken im Kiez oder Stadtzentrum als >Dritten Ort< und so haben sich Bibliotheken zwischen >Wohnort< und >Arbeitsort<, u. a. als Aufenthaltsort, Treffpunkt und Makerspace der Gesellschaft etabliert. Kaum eine Bildungs- oder Kultureinrichtung kann auf eine so hohe, und in vielen Stadtbibliotheken sich stetig steigende, Besucherzahl verweisen. Immer mehr Menschen gehen trotz Digitalisierung und Internet in Bibliotheken. Kern der vielfältigen Bibliotheksangebote ist, neben einem multimedialen Medienangebot, zu allen Themenbereichen ein umfängliches Veranstaltungsangebot für jeden Bürger, somit für alle Altersgruppen und jedes Bildungsmilieu, zu bieten. Geboten werden nicht nur klassische Literaturvermittlungen, sondern vor allem Veranstaltungen zur Leseförderung und Schulungen zur Medienkompetenz in Form von Einzelberatungen bis hin zu Gruppenveranstaltungen. Hierbei nimmt das Thema >Robotik< einen immer größeren Raum ein. Auch deshalb richten sich viele Stadtbibliotheken physisch neu ein und bieten so neue Nutzungsmöglichkeiten in Form von z. B. Coworking Spaces, Escape Rooms, Experimentierräumen, Gaming-Bereiche, Lernräumen, Musikräumen oder Makerspaces. Diese Räumlichkeiten sind mehr als nur Lesesäle, sondern werden immer smarter und werden entsprechend fortschrittlich mit technischem Equipment und personellen Kompetenzen ausgestattet. Dieser Wandel erhält eine immer größere Relevanz und der Einsatz von Robotern ist hierbei ein konsequenter Fortschritt dieser gesellschaftlichen und technischen Entwicklung. So können uns Roboter an die Hand nehmen und vom physischen >Dritten Ort< hin zu einem virtuellen >Vierten Ort< begleiten, in dem unsere mobile Informationsgesellschaft ihr Wissen teilt und ein digitales Pandon zur analogen Bibliothek geboten wird. Diese Online-Bibliothek als >Vierter Ort< ist smart, vernetzt und spährisch – ist ein virtueller Raum, eine Ergänzung des >Dritten Orts< und bietet bedarfsgerechten digitalen Service für alle Bürger. So kommen erste humanoide Roboter seit 2016 in deutschen Öffentlichen Bibliotheken u. a. im Rahmen der Schulung von Medienkompetenz und Leseförderung zum Einsatz oder um für Bürger auch digital-vernetzte Angebote bieten zu können. Dieser Einsatz von Robotern bei bibliotheks- und medienpädagogischen Veranstaltungen oder Serviceangeboten kann die nötige Balance zwischen digital und analog bieten und beides miteinander verbinden, so dass es in Makerspaces für jede Person möglich ist mit neuen Techniken in Berührung zu kommen, Digitales sichtbar zu machen und Wissen zu teilen. Waren es gesellschaftlich vor 30 Jahren die PCs, vor 20 Jahren das Internet und vor zehn Jahren die Social Media, so werden Roboter nach ihrer heutigen 100jährigen Geschichte nun zur Realität in Öffentlichen Bibliotheken.

 

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