Maker, Roboter, Sensationen: Die Maker Faire Hannover 2015

Es gibt ihn, diesen Ort für die ganze Familie, an dem ein Wochenende lang gebastelt, gelötet und gestrickt wird und auf dem sich das ganze kreative DIY-Spektrum präsentiert: Am 6. und 7. Juni auf der Maker Faire Hannover.

Für manche ist sie inzwischen zum festen Treffpunkt geworden: Im dritten Jahr in Folge trifft sich die Maker-Szene am 6. und 7. Juni im Hannover Congress Centrum zur Maker Faire Hannover. Das von der Make-Redaktion kuratierte Festival des Selbermachens und der Kreativität versammelt dieses Jahr wieder rund 150 „Maker“, vom einzelnen Schrauber über Projekte wie FabLabs, Hackerspaces und ganze Schulgruppen.

Zeitmaschinen aus Schrott: Die niederländische Theatergruppe Abacus um den Erfinder Jan Wessels setzt bei ihren Zeitmaschinen ganz bewusst auf Nachhaltigkeit. Ihre kunstvoll gefer­tigten, skurrilen Fahrzeuge bestehen größten­teils aus alten, recycelten Materialien.
Medienkunst zum Thema Ironie: Wer zuviel Geld ausgibt, muss den Gürtel enger schnallen. Oder Bob tragen, der sich beim Bezahlen automatisch enger zieht. Ein Projekt von Dennis Timmermann, Fabian Schucht und Mathis Krüper von der Hochschule Osnabrück.
Cosplay: Rudolf Arnold alias Naisho war 2013 eines der beliebtesten Fotomotive auf der Maker Faire. Dieses Jahr hat sich der Cosplay-Künstler und Mathelehrer vom in Japan sehr bekannten virtuellen Gesangsstar Miku Hatsune (Vocaloid) inspirieren lassen und eine Cyberversion kreiert: Miku als Kampfroboter mit beweglichen Waffen oben und an der Rückseite und einem Stimmverzerrer auf Arduino-Basis im Helm.
Mikrocontroller programmieren für Kinder: Im Rahmen von Jugend-forscht-Arbeiten haben sich Schüler des 7. Jahrgangs der Renataschule Hildesheim mit dem Programmieren von PICAXE-Mikrocontrollern in einem einfachen BASIC-Dialekt auseinandergesetzt. Der Schwerpunkt lag beim Programmieren von Ampel- und Würfelschaltungen.
Das Berufskolleg Rheine bringt zur Maker Faire erneut eine ganze Reihe von Projekten mit, die an einem großen Stand (Eilenriedehalle, 79) sowie im Außenbereich zu sehen sein werden (Stand A25). Im Bild: Das Trike, zusammengesetzt aus einem alten Polski Fiat 126 und den Resten eines 125er Choppers.
Der Verein Technik-Garage e.V. ist ein Makerspace im Bereich Biologie-, Verfahrens- und Informationstechnik. In Hannover stellen die Initiatoren Open-Hardware-Projekte wie Fraktionssammler und Titrationsgerät vor. Der Verein unterstützt auch den Technikunterricht an Schulen.
Ob futuristisch, rockig oder edel, die Firma Power-Bikes baut individuelle E-Bikes und stellt sie auf der Maker Faire aus. Hier das Modell Hisilicon K3.
Die Physikalisch-Technische Bundesanstalt bietet Makern die Möglichkeit, ihre Messgeräte zu kalibrieren. Die „Hüterinnen der Einheiten“ bringen einen Fluke-Kalibrator, zwei Referenz-DMMs und ein Präzisions-LCR-Meter mit. Besucher, die ihre Messgeräte am Stand vorbei bringen, bekommen einen „Maker-Kalibrierschein“
Der Braunschweiger Hackerspace Stratum 0 bringt verschiedene Beispielprojekte mit: Die Hacker stellen ungewöhnlichen 3D-Drucke aus (mehrfarbiges, Spiele und Landkarten für Blinde) und bringen eine Stickmaschine und einen Lasercutter mit.
Ausgehend von einem Vortrag auf der Maker Faire Hannover 2013 hat eine Makergruppe wir einen automatischen Buchscanner für eine Universität in Äthiopien entwickelt. Sie werden zeigen, wie sie es mit Aluminiumprofilen, Schrankrückwänden und einer Luftmatratzenpumpe gelöst haben, dass der Buchscanner einfach, zuverlässig und günstig nachgebaut werden kann.
Lina Wassong, Jan Thar und René Bohne haben eine flache LED entworfen, die man einfach auf Kleidung aufklebt oder aufbügelt. Mit einem Arduino kann man viele dieser WEAR-LEDS individuell ansteuern und wird so zum Hingucker auf jeder Party. Auf der Maker Faire Hannover präsentieren die drei Maker nicht nur das smarte Kleid, sondern auch ein paar andere DIY-Wearables.
Auf der Maker Faire Hannover präsentieren sich gleich zwei Steampunk-Maker: Sven Möller und Jochen Enderlein. Im Gepäck haben sie Maschinen, Computer, Leuchten und Gadgets wie aus einer anderen Zeit – sei es von der Nautilus oder der Scheibenwelt. Sie praktizieren Upcycling mit Stil, denn jedes der Geräte ist ein Unikat.
faBrickator ist eine Software, die 3D-Modelle zu Lego konvertiert und einzelne Teile für den 3D-Druck auswählt. Es können dadurch schnell auch größere Objekte gebaut werden, da nur einzelne Teile auf dem langsamen 3D-Drucker hergestellt werden und der Rest aus normalem Lego gebaut wird. Das Verfahren ist besonders für Schulen interessant.

Im vergangenen Jahr kamen fast 9000 Besucherinnen und Besucher mit Kind und Kegel nach Hannover, um sich faszinieren zu lassen, aber auch etwas zu lernen und im Wortsinne zu begreifen, denn die Maker Faire ist keine gewöhnliche Messe: An fast jedem Stand darf und soll ausprobiert werden, zahlreiche Workshops werden auch dieses Jahr wieder dafür sorgen, dass viele etwa mit einem selbst geschmiedeten Ring oder der ersten selbst gelöteten Platine nach Hause gehen.

Technikfaszination

Auf der Maker Faire dreht sich viel um Technikfaszination: Während in den Hallen die Roboter mit den Menschen interagieren und Arduino- und Raspberry-Pi-Usergruppen ihre Plattformen erläutern, fahren im Außenbereich unter anderem der feuerspeiende Hund LRRY-1 des Performance-Künstlers Lyle Rowell und die verrückten Fantasiegefährte der niederländischen Theatergruppe Abacus herum. Ihre Konstrukteure finden ihre Bauteile dabei vor allem auf Schrottplätzen.

Überhaupt wird auf der Maker Faire viel Schrott flott gemacht: Das gilt nicht nur für die retrofuturistischen Gerätschaften der Steampunk-Aussteller, sondern auch für die Truppen vom Repair Café Cölbe und der Stadt-Teil-Werkstatt Hannover, die live auf der Veranstaltung defekten Gerätschaften wieder Leben einhauchen wollen. Einen besonderen Service bietet auch die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) als Hüterin der Einheiten an, die an ihrem Stand mitgebrachte Messgeräte kostenlos durchmisst und kalibriert.

Natürlich gibt es auch DIY-Themen fern jeder Elektronik, die ihren Platz auf der Maker Faire finden: Zahlreiche Crafting-Anbieter zeigen, was man mit Stoff und Faden machen kann. Wer wissen will, wie man schweißt oder etwa Apfelsaft oder Bier herstellt, wird das Festival ebenfalls mit neuen Erkenntnissen verlassen.

Lichtprojekte

Zum dritten Mal ist auch die Make-Light-Initative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) dabei und präsentiert an einem Gemeinschaftsstand zahlreiche Maker mit Photonik-Projekten, etwa eine DIY-Laserharfe, die Mikrocontroller-Wetterstation Sensebox und alle Projekte der Aachener FabLab-Vielbastler Mario Lukas und René Bohne: Den Hologramm-Projektor Lumicator, den Open-Source-Stereolithografie-3D-Drucker Open Exposer, den 3D-Scanner FabScan und die aufnähbaren Leuchtdioden Wear-LEDs.

Wer sich zwischendurch lieber im Sitzen informieren lässt, kann das ganze Wochenende hindurch auch zahlreichen Vorträgen lauschen: Darin geht es um den Einsatz von Technik in der Bildung, um Magnetismus und Servos, Cosplay und Biotechnologie. Für Hands-on-Workshops etwa zum beliebten Controller ESP8266 sind noch Plätze vorhanden, wenn man sich schnell genug anmeldet.

Tickets

Die Maker Faire Hannover findet am 6. und 7. Juni von jeweils 10 bis 18 Uhr auf dem Gelände des HCC statt. Ein Tagesticket kostet 11 Euro, ein Familienticket für zwei Erwachsene mit bis zu zwei Kindern 20 Euro, weiterhin gibt es Karten für beide Tage. Alle Tickets lassen sich noch im Online-Vorverkauf und an der Tageskasse erwerben.

Wer es nicht nach Hannover schafft, kann sich außerdem schon den 3. und 4. Oktober vormerken: Dann kommt die Maker Faire erstmalig auch nach Berlin.